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Leilani Story – Folge 3

Folge 3: Wenn Vertrauen krank wird – und Heilung beginnt

Warum Heilung selten so schnell kommt, wie sie sich später liest – Der lange Weg hinter Folge 3

In der gedruckten Folge 3 von „Leilani – Eine aussergewöhnliche Reise“ erzähle ich von dem Moment, in dem Leilanis Vertrauen krank wurde – und Heilung begann. Es geht um ihren roten, wunden Bauch, nächtliches Kratzen, schlaflose Nächte und diesen einen Satz, der mich damals mehr getroffen hat als jede Diagnose: „Damit müssen Sie leben. Sie haben sich ja einen Frenchie geholt.“ Genau dieser Satz war der Punkt, an dem ich nicht mehr einfach akzeptieren konnte, dass Leilanis Leiden angeblich „normal“ sein sollte. 

Was im Magazin auf zwei Seiten erzählt wird, liest sich vielleicht wie eine klare Reise: Symptome, Zweifel, neuer Tierarzt, Diagnose, Ausschlussdiät, Känguru, Lösung.

Aber so war es nicht.

Nicht in echt.

Der rote, wunde, gereizte Bauch sorgte nicht nur bei Leilani für schlaflose Nächte.

Der rote, wunde, gereizte Bauch sorgte nicht nur bei Leilani für schlaflose Nächte.

In echt war es lang. Mühsam. Teuer. Verwirrend. Manchmal zum Verzweifeln. Und manchmal so absurd, dass ich heute noch denke: Sind wir eigentlich alle wahnsinnig?

Erst kam die Hoffnung. Dann der nächste Rückschlag.

Bevor wir bei dem Menü landeten, das Leilani heute wirklich verträgt, gingen wir natürlich den klassischen Weg.

Spezialfutter.
Hypoallergenes Futter.
Veterinärfutter.
Industriefutter mit grossen Versprechen und noch grösseren Säcken.

Jedes klang, als wäre es genau die Lösung.

Unseres hilft.
Wirklich.
Diesmal wirklich wirklich.

Und ich wollte es glauben. Natürlich wollte ich das. Wenn dein Hund leidet, willst du nicht ideologisch sein. Du willst nicht recht haben. Du willst einfach, dass es aufhört. Dass sie nicht mehr kratzt. Dass ihr Bauch nicht mehr rot ist. Dass nachts endlich Ruhe ist.

Und manchmal wurde es tatsächlich besser.

Kurz.

Die Haut beruhigte sich ein bisschen. Die Rötung ging etwas zurück. Der Bauch sah weniger schlimm aus. Man begann wieder zu hoffen.

Dieses gefährliche kleine Ding: Hoffnung.

Nur kam dann oft das nächste Problem.

Der Juckreiz wurde vielleicht weniger – dafür kam Durchfall. Und nicht so ein bisschen „weicher Stuhl“. Sondern Sprühwurst. Spaziergänge wurden plötzlich zu logistischen Notfallübungen mit Robidog-Sack, Alarmblick und sehr viel Demut.

Oder Leilani musste so oft, dass ich irgendwann dachte:

Dieser Hund scheisst sich zu Tode.

Und genau da begann ich zu verstehen: Nur weil ein Futter „hypoallergen“ heisst, bedeutet das noch lange nicht, dass es für diesen einen Hund funktioniert.

Der industrielle Werkzeugkasten im Napf

Das Schwierige war: Ich konnte irgendwann gar nicht mehr sauber erkennen, worauf sie reagierte.

Denn in Industriefutter steckt selten einfach nur „eine saubere Sache“. Da sind viele Bestandteile drin, die technologisch Sinn machen können, aber bei einem empfindlichen Hund jede Menge neue Fragen eröffnen.

Stärken und Binder wie Tapioka, Kartoffelstärke, Erbsenstärke, Maisstärke oder Reisstärke.
Pflanzenfasern wie Zellulose, Rübenschnitzel, Lignocellulose oder Flohsamenschalen.
Mineralquellen wie Eierschalenpulver, Calciumcarbonat oder andere Mineralstoffmischungen.
Fette und Trägerstoffe wie Talg, tierische Fette, Pflanzenöle oder Fettpulver.
Hydrolysierte Proteine, also Eiweisse, die technisch aufgespalten werden, damit der Körper sie möglichst weniger erkennt.
Konservierungsstoffe, Trennmittel, Emulgatoren, Feuchthaltemittel, Verdickungsmittel, Aroma- und Akzeptanzhilfen.

Und dann gibt es diese Stoffe, die man auch aus der Herstellung von veganem Fleischersatz kennt. Zum Beispiel Methylcellulose. Technologisch sicher praktisch. Bindet wunderbar. Gibt Struktur. Macht aus Einzelteilen eine formbare Masse.

Für mich klingt es trotzdem nach Tapetenkleister mit PR-Abteilung.

Und ja: Nicht alles davon ist automatisch böse. Für viele Hunde funktionieren solche Futtermittel problemlos. Manche dieser Stoffe haben einen klaren Zweck. Manche sind sinnvoll, stabilisierend oder notwendig, damit ein Produkt überhaupt industriell hergestellt, gelagert und verkauft werden kann.

Aber genau das war bei Leilani das Problem.

Jeder zusätzliche Bestandteil war eine weitere Variable.

War es das Protein?
War es die Stärke?
War es das Fett?
War es der Binder?
War es ein Zusatzstoff?
War es etwas, das auf der Packung völlig harmlos klingt, aber in ihrem Körper ein kleines Feuerwerk anzündet?

Ich wusste es nicht.

Und solange ich es nicht wusste, blieb jede Packung gleichzeitig Hoffnung und Nebelmaschine.

„Sind wir eigentlich alle wahnsinnig?“

Irgendwann stand ich da, las wieder eine Zutatenliste und dachte:

Moment mal.

Was ist das hier eigentlich?

Nicht nur beim Hundefutter. Auch bei uns Menschen.

Wir essen Dinge, die klingen wie ein Chemieversuch im Labor. Fertiggerichte mit Zutatenlisten, die länger sind als Goethes Faust. Eine Pizza, die eigentlich aus Mehl, Wasser, Salz, Hefe, Tomaten, Olivenöl und vielleicht Mozzarella bestehen könnte, liest sich plötzlich wie ein kleiner Industriekatalog.

Stabilisatoren.
Emulgatoren.
Verdickungsmittel.
Säureregulatoren.
Aromen.
Maltodextrin.
Glukosesirup.
Palmfett.
Irgendetwas „modifiziert“.
Irgendetwas „hydrolysiert“.
Irgendetwas, das man nicht aussprechen kann, ohne sich vorher kurz aufzuwärmen.

Und ich fragte mich:

Warum akzeptieren wir das eigentlich?

Bei Leilani wurde ich plötzlich radikal. Nicht aus Lifestyle. Nicht, weil ich morgens aufgewacht bin und beschlossen habe, jetzt ein naturverbundener Ernährungsphilosoph mit Hund zu werden.

Sondern weil ich keine Wahl mehr hatte.

Ich musste wissen, was in diesem Napf ist.

Nicht ungefähr.
Nicht „kann Spuren enthalten“.
Nicht „mit wertvollen Bestandteilen“.
Sondern exakt.

Und dabei begann ich automatisch, auch meine eigene Ernährung zu hinterfragen.

Wenn ich bei meinem Hund plötzlich jede Zutat kritisch anschaue, warum tue ich das bei mir selbst nicht?

Warum soll mein Hund echtes Fleisch, echte Süsskartoffel, echte Karotten und echtes Öl bekommen – während ich mir irgendetwas reinschiebe, das aussieht wie Essen, aber klingt wie ein Betriebsunfall in der Zusatzstoffabteilung?

Seitdem esse ich anders.

Nicht perfekt. Nicht missionarisch. Nicht mit erhobenem Zeigefinger.

Aber deutlich bewusster.

Ich esse nichts mehr, bei dem ich nicht wenigstens verstehen kann, was es ist. Und am liebsten esse ich Dinge, die ich aus echten Zutaten selbst hergestellt habe. Mit meinen eigenen Händen. Mehl. Wasser. Olivenöl. Fleisch. Gemüse. Eier. Butter. Salz. Kräuter.

Lebensmittel, die noch nach Lebensmittel klingen.

Vielleicht hat Leilanis Allergie am Ende nicht nur ihr Menü verändert.

Sondern auch meines.

Es war nicht nur Futter. Es war Suche.

Zwischendrin stand sogar eine Dauerscheinträchtigkeit im Raum. Also wurde auch diese Möglichkeit geprüft. Und ja, Leilani wurde kastriert.

Nicht, weil das plötzlich die grosse romantische Wendung war.

Sondern weil man irgendwann an dem Punkt ist, an dem man nichts unversucht lassen möchte.

Man macht nicht eine Sache und weiss dann Bescheid.

Man macht zehn Dinge. Zwanzig. Man hofft, dass eines davon endlich eine Spur ist. Man beobachtet. Man zweifelt. Man googelt. Man fragt nach. Man liest Fachartikel. Man schaut nachts auf den Hund und denkt: Bitte, sag mir einfach, was los ist.

Natürlich sagt sie es nicht.

Sie kratzt sich nur.

Und du musst lernen, genauer hinzusehen.

Ausschlussdiät klingt sauber. In echt ist sie hart.

Der entscheidende Satz kam später bei Dr. Späni:

„Das kommt nicht von aussen, es kommt von innen.“

Damit veränderte sich der Blick. Weg vom ständigen Behandeln der Haut. Hin zur Frage: Was passiert im Körper?

Die Diagnose lautete Futtermittelallergie. Und damit begann die Ausschlussdiät.

Das klingt auf dem Papier fast elegant.

Reset.
Eine Proteinquelle.
Warten.
Beobachten.
Testen.

In der Realität ist es Detektivarbeit mit Napf, Kalender und Nerven aus altem Gummi.

Man darf nicht schludern. Nicht mal ein kleines Stückchen hier, ein gut gemeintes Leckerli da, ein Krümel von jemandem, der sagt: „Ach komm, das bisschen macht doch nichts.“

Doch.

Genau dieses bisschen kann alles verfälschen.

Nach dem Reset begann das Testen. Eine Proteinquelle nach der anderen. Rind. Pferd. Büffel. Strauss. Mal kamen die Reaktionen deutlich, mal subtil. Aber sie kamen. Und jedes Mal bedeutete es: zurück. Reset. Wieder von vorne.

Wochen wurden zu Monaten.

Und Geduld wurde nicht mehr Tugend.

Geduld wurde Pflicht.

Der Punkt, an dem alles einfacher werden musste

Irgendwann war für mich klar:

Wir müssen nicht noch komplizierter werden.

Wir müssen einfacher werden.

Nicht noch ein Pulver.
Nicht noch ein Spezialzusatz.
Nicht noch ein Futter, das auf der Packung klingt wie eine Doktorarbeit mit Hühnergeschmack.

Sondern weniger.

Eine Proteinquelle.
Eine Kohlenhydratquelle.
Ein Gemüse.
Ein Fett.
Alles einzeln. Alles beobachtbar. Alles nachvollziehbar.

Das war der eigentliche Wendepunkt.

Nicht Romantik.

Nicht „Ich koche jetzt liebevoll für meinen Hund, weil ich ein verrückter Dog Dad bin“.

Sondern pure Notwendigkeit.

Der Durchbruch kam nicht, als wir mehr hinzufügten.

Sondern als wir endlich alles wegnahmen, was Leilani nicht brauchte.

Dann kam Känguru

Und dann kam Känguru.

Keine Reaktion.
Keine Rötung.
Kein nächtliches Kratzen.

Leilani schlief wieder.

Tief. Ruhig.

Und ich gleich mit.

In der Kolumne steht dieser Moment fast still da. Aber für mich war er riesig. Nicht laut. Nicht dramatisch. Eher wie ein langes Ausatmen nach Monaten, in denen ich gar nicht gemerkt hatte, dass ich die ganze Zeit die Luft angehalten habe.

Aber selbst damit war es noch nicht vorbei.

Dann mussten die Kohlenhydrate getestet werden.

Kartoffeln.
Reis.
Süsskartoffeln.

Danach Gemüse.

Karotten.
Zucchini.

Alles einzeln. Alles langsam. Jeder neue Bestandteil war ein kleines Risiko. Jeder Fehler konnte uns zurückwerfen.

Das Leilani Menü

Heute klingt ihr Menü fast wie eine kleine Spezialitätenkarte:

Kängurufleisch, sanft in Kokosöl konfiert.
Karotten- oder Zucchinipüree, gekocht in Kamillen- und Fencheltee.
Im Ofen gegarte Süsskartoffel.
Ein bisschen Gruyère oder echter Parmigiano Reggiano.
Dazu Leinsamenschleim.

Das klingt liebevoll. Vielleicht sogar ein bisschen verrückt.

Aber in Wahrheit ist es vor allem eines:

Das Ergebnis von sehr viel Arbeit.

Nicht von Bauchgefühl allein.
Nicht von einem Wundermittel.
Nicht von einem Futter, das auf der Packung versprach, endlich alles zu lösen.

Sondern von Beobachten. Testen. Scheitern. Wieder anfangen. Dranbleiben.

Und ja: Es ist ein vollwertiges Menü.

Nicht, weil es kompliziert ist. Sondern weil es klar ist.

Ein Hund braucht kein Futter, das klingt wie ein Produktionsprotokoll.

Er braucht Zutaten, die sein Körper verträgt. In einer Form, die Sinn macht. Mit allem, was notwendig ist. Und ohne den ganzen Scheiss, den ein vollwertiges Hundemenü nicht braucht.

Heilung war nicht romantisch. Heilung war Reduktion.

Das ist vielleicht die wichtigste Wahrheit hinter Folge 3.

Heilung war nicht romantisch.

Heilung war Reduktion.

Es war nicht dieser eine grosse Moment, in dem plötzlich alles gut wurde. Es waren viele kleine Entscheidungen gegen einfache Antworten.

Gegen „damit müssen Sie leben“.
Gegen „typisch Frenchie“.
Gegen „das hilft wirklich, diesmal ganz sicher“.
Gegen die Versuchung, einfach irgendetwas zu glauben, nur weil man so dringend möchte, dass es stimmt.

Leilani kam zurück.

Nicht plötzlich.

Dafür stetig.

Mehr Schlaf.
Weniger Kratzen.
Mehr Ruhe.
Mehr Energie.
Mehr Leilani.

Und irgendwann wurde aus dieser ganzen Geschichte noch etwas anderes.

Weil frisch gekochtes Kängurufleisch auf dem Hundeplatz eher unpraktisch ist und viele sogenannte monoproteine Leckerli bei Leilani wieder Reaktionen auslösten, begann ich, eigene Leckerli herzustellen:

Känguru Bits.

Hundert Prozent Fleisch.

Null Prozent Bullshit.

Erst für sie. Dann für andere Hunde. Und irgendwann wurde daraus ein Teil meines Geschäfts.

Aber der Ursprung war nie ein Businessplan.

Der Ursprung war ein Hund, der litt.

Und ein Mensch, der irgendwann entschieden hat:

Ich höre nicht auf zu suchen.

Was bleibt

Vielleicht ist das der wichtigste Gedanke dieser Folge:

Vertrauen bedeutet nicht, blind zu hoffen.

Vertrauen bedeutet, dranzubleiben, wenn es unbequem wird.

Auch wenn es länger dauert, als man denkt.
Auch wenn die erste Lösung nicht hilft.
Auch wenn die fünfte Lösung nicht hilft.
Auch wenn man zwischendurch aussieht wie jemand, der eine Doktorarbeit über Hundefutter schreibt, obwohl er eigentlich nur schlafen möchte.

Manchmal beginnt Heilung nicht mit einem Wunder.

Sondern mit dem Satz:

Nein. So lasse ich das nicht stehen.

Leilani Story – Folge 3

Exklusiv im Schweizer Hunde Magazin

Diese Geschichte erscheint fortlaufend exklusiv im Schweizer Hunde Magazin.

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